Misstrauensgemeinschaften – eine Gefahr für die gesellschaftliche Stabilität

In seinem Buch „Misstrauensgemeinschaften – Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien“ erklärt der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum in unserer immer komplexer werdenden Welt Vertrauen immer wichtiger, aber Misstrauen immer wahrscheinlicher wird und welche Folgen umfassende Vertrauenskrisen für die Gesellschaft haben. Das Buch sowie ein Interview in der SZ vom 27.1.2026 lieferten die Grundlage für die folgenden Gedanken, vorgetragen bei der Ebersberger Mahnwache am 4.3.2026

„Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen spüren: Etwas gerät aus dem Gleichgewicht. Brücken bröckeln, Züge kommen zu spät, Schulen und Krankenhäuser sind überlastet. Und gleichzeitig wird unsere Welt immer komplexer.

Wir sollen vertrauen – darauf, dass alles schon richtig läuft. Aber wir können vieles gar nicht mehr selbst überprüfen. Dieses blinde Vertrauen erzeugt Unbehagen.

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani beschreibt, dass genau in diesem Unbehagen der Nährboden für Misstrauen entsteht. Und dieses Misstrauen verbreitet sich. In den sozialen Medien verstärkt es sich und organisiert sich. Es entstehen „Misstrauensgemeinschaften“ – Gruppen, in denen Zusammenhalt nicht aus Hoffnung wächst, sondern aus gemeinsamem Zweifel: am Staat, an den Medien, an der Wissenschaft, an der Demokratie selbst.

Dort gilt Misstrauen als Tugend. Wer besonders laut zweifelt, bekommt besonders viel Beifall. Und plötzlich vertrauen Menschen einander – gerade weil sie gemeinsam misstrauisch sind. Das ist die paradoxe Lage unserer Zeit.

Doch Vertrauen, so sagt El-Mafaalani, ist mehr als ein Gefühl. Vertrauen ist eine positive Erwartung an die Zukunft. Wenn Menschen glauben, dass das Morgen schlechter wird als das Heute, dann bröckelt dieses Fundament. Und ohne dieses Fundament wird unsere Demokratie schwach.

Wir als OMAS GEGEN RECHTS stehen genau hier. Wir stehen für eine andere Form der Gemeinschaft. Für eine Gemeinschaft, die nicht aus Angst entsteht, sondern aus Verantwortung. Nicht aus Abgrenzung, sondern aus Solidarität. Nicht aus dem Ruf „Alles ist kaputt!“, sondern aus dem klaren Blick: Ja, es gibt Probleme – aber wir lösen sie demokratisch, gemeinsam und mit Anstand.

Misstrauen allein baut keine Brücken. Misstrauen heilt keine Kranken. Misstrauen unterrichtet keine Kinder. Unsere Aufgabe ist es, dem etwas entgegenzusetzen:
Haltung, Menschlichkeit, Zuversicht.

Gerade wir Älteren wissen: Geschichte verläuft nicht geradlinig. Demokratien sind verletzlich. Aber wir wissen auch: Sie leben vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Vom Einmischen. Vom Widersprechen. Vom Zusammenstehen.

Wenn manche das Boot unserer Gesellschaft schlechtreden oder sogar zum Kentern bringen wollen, dann sagen wir: Wir lassen uns nicht in Panik treiben.
Wir halten Kurs auf Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität.

Denn Vertrauen wächst dort, wo Menschen füreinander einstehen.

Und genau dafür stehen wir hier.“