Mittwoch für Mittwoch auf dem Marienplatz in Ebersberg, Samstag für Samstag auf dem Marktplatz in Grafing: Seit Ende Januar sind sie nicht mehr zu übersehen oder zu überhören. Mit Liedern, bunten Schildern, weißen Westen, Regenschirmen – und vor allem mit klarer Haltung – machen die OMAS GEGEN RECHTS Ebersberg deutlich, worum es ihnen geht: Ja zur Demokratie. Laut und sichtbar.

Die OMAS verstehen ihr Engagement ausdrücklich als Einmischung vor der Wahl. „Demokratie lebt davon, dass man hinschaut und informiert entscheidet“, sagen sie. Deshalb belassen sie es nicht bei Symbolen und Liedern – so kraftvoll diese auch sind –, sondern setzen bewusst auf Inhalte. In eigens erarbeiteten Infomaterialien haben sie das bisherige Abstimmungsverhalten der AfD analysiert. Im Fokus stehen dabei die Themen Menschenrechte, lebenswerte Umwelt, innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit.
Der zentrale Flyer zur Kommunalwahl zeigt auf, wie die AfD in diesen Bereichen in Parlamenten abgestimmt hat – und welche Konsequenzen das aus Sicht der OMAS für den Landkreis Ebersberg hätte. Verbunden ist diese Analyse mit einem eindringlichen Zitat der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer:
„Ihr seid klüger, ihr habt gelernt, ihr wisst, was Menschlichkeit ist … Dass Menschen, ganz egal, welcher Hautfarbe, welcher Religion, als Menschen respektiert werden müssen.“
Was mit rund 15 Engagierten begann, ist innerhalb weniger Wochen auf rund 30 Teilnehmende pro Mahnwache angewachsen. Insgesamt zählen die OMAS – inklusive unterstützender Opas – inzwischen 85 Aktive. Und es werden stetig mehr.
Die Mahnwachen sind bewusst abwechslungsreich gestaltet. In einer eigens organisierten Malwerkstatt entstanden farbenfrohe Demoschilder. Musiker wie Pit und Stefan von Naturally Shalom sorgten mit jiddischen Liedern für besondere Momente. Immer wieder erklingt – begleitet von Gitarren – „Bella Ciao“ mit einem eigens umgedichteten Text der OMAS GEGEN RECHTS. Spätestens dann bleiben viele Passantinnen und Passanten stehen, hören zu, nicken, klatschen.
Ein starkes Bild bot auch das große Grillfest für die Demokratie in Hohenlinden: Parallel zu einer AfD-Veranstaltung kamen über 200 Menschen zusammen, um friedlich, aber entschlossen für demokratische Werte einzutreten. Unterstützt wurden die OMAS dabei von allen demokratischen Parteien der Gemeinde. Auch in Steinhöring, Poing am S-Bahnhof und Aßling zeigten die OMAS Präsenz und Solidarität mit lokalen Bündnissen gegen rechts.
Besonders eindrucksvoll: die selbstgebastelten „Geister der Vergangenheit“. Mit Schildern umgehängt, stehen sie symbolisch für Hass und Hetze, völkischen Nationalismus, Frauenfeindlichkeit und Faschismus, Ausgrenzung und weiteres Unrecht aus dunkler Historie. Die Botschaft ist klar und unmissverständlich: Kein Platz für die Geister der Vergangenheit in unserer Heimat.
Neben den Mahnwachen engagieren sich die OMAS auch für die Prüf-Kampagne. Die von Nico Semsrott initiierten Prüf-Demos, in München jeweils am zweiten Samstag im Monat am Geschwister-Scholl-Platz, fordern den Rechtsstaat dazu auf, rechtsextreme Strukturen, Parteien und Netzwerke konsequent zu überprüfen und alle vorhandenen rechtlichen Mittel zum Schutz der Demokratie auszuschöpfen. Von dort brachten die OMAS ein Lied mit, das inzwischen oft den Abschluss der Kundgebungen bildet: ein mehrstimmiger Kanon, der den Rechtsstaat auffordert, wachsam zu sein – und genau hinzuschauen.
Die Resonanz aus der Bevölkerung ist überwiegend positiv. Viele bedanken sich, suchen das Gespräch, zeigen Unterstützung. Doch es gibt auch andere Momente: vereinzelte, teils heftige Beschimpfungen, aggressive Wortmeldungen, festgefahrene Weltbilder. „Das ist schwer auszuhalten“, sagen die OMAS, „aber es bestärkt uns nur darin, weiterzumachen.“ Klar stellen sie auch immer wieder richtig: Ihre Arbeit wird vollständig privat finanziert – von Westen über Schirme bis zur Homepage.
Ob ihr Einsatz konkret Stimmen beeinflusst? Das könne niemand sicher sagen. Sicher sei jedoch etwas anderes: „Wir fühlen uns nicht mehr ohnmächtig.“ Der Zusammenhalt sei stark, die Diskussionen intensiv, die Motivation groß. Die OMAS stehen für eine humanistische, inklusive und demokratische Zukunft – für ihre Kinder und Enkelkinder, für eine offene Gesellschaft, in der Freiheit und Menschenwürde zählen.
Kurz vor den bayerischen Kommunalwahlen senden die OMAS GEGEN RECHTS Ebersberg damit ein deutliches Signal: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt vom Mitmachen – in jedem Alter.
